Busfahrer drücken mit 65 Schulbank
Alpirsbach. Sie sind seit vielen Jahren auf den Straßen dieser Welt unterwegs und haben im Bus oder Lastwagen Millionen
von Kilometern zurückgelegt. Jetzt besuchen Peter Erdmann und Eugen Krapfl wieder die Fahrschule.
Nach EU-Recht müssen alle Berufskraftfahrer, die im gewerblichen Personen- oder Güterverkehr eingesetzt werden,
Weiterbildungen nachweisen. In der Fahrschule Günther nehmen derzeit 18 Männer an einer solchen Fortbildungsveranstaltung
teil. Neben der theoretischen wird noch eine praktische Fortbildung angeboten. Dabei geht es unter anderem um energiesparendes
Fahren und ein Sicherheitstraining.
Zu den beiden ältesten Teilnehmern gehören die beiden 65-jährigen Peter Erdmann und Eugen Krapfl. Beide fahren noch im
Linien- und Reiseverkehr eines Alpirsbacher Busunternehmens. Peter Erdmann hat 1972 den Zweier-Führerschein gemacht und war
seit dieser Zeit berufsmäßig unterwegs. Lange Zeit fuhr er für ein Entsorgungsunternehmen im Sondermüllverkehr und hat dabei
im Jahr etwa 60 000 Kilometer zurückgelegt. »Die Fortbildung wäre für alle Kraftfahrer wichtig, denn es gibt soviele
Neuerungen jedes Jahr sowohl in rechtlicher als auch in technischer Hinsicht«, meint der erfahrene Kraftfahrer, dem das
Fahren immer noch Spaß macht.
Fast 22 Jahre im Fernverkehr mit Silofahrzeugen, Tankzügen, Omnibussen und Schwertransportern war Eugen Krapfl in fast
ganz Europa unterwegs und kam dabei auf Fahrleistungen von nun fast sechs Millionen Kilometern. »Meiner Meinung nach sollte
der Gesundheitszustand von Berufskraftfahrern ab 50 Jahren fast jährlich überprüft werden und zwar zur eigenen und zur
Sicherheit der Fahrgäste oder anderer Verkehrsteilnehmer«, gibt er zu bedenken.
Wenn man so viele Kilometer unterwegs ist, gibt es auch einige Anekdoten zu erzählen. So erinnert sich Krapfl an eine
Busfahrt im Jahr 1990 nach Irland. Von Galway ging es ganz an die Westküste zu einem Leuchtturm, an dessen Fuß einer der
ältesten Pubs Irlands lag. Der Reiseführer hatte diese Route mit seinem Auto abgefahren und dabei die Ausmaße des Busses
nicht bedacht. Die Straße war nur wenige Zentimeter breiter als der Bus und endete in einer Sackgasse. Als der Bus am Pub
eintraf, kamen der Wirt und auch Gäste auf die Straße und machten Fotos. Eugen Krapfl benötigte fast zwei Stunden, um den
Bus zentimeterweise zu wenden. Doch nach wie vor gilt für Eugen Krapfl: »Ich brauche das Fahren, wie die Luft zum atmen.«
Von Werner Hering
Quelle: www.schwarzwaelder-bote.de
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